Paketdrohne startet ihren Dienst

DHL testet die neue Paketdrohne
DHL testet die neue Paketdrohne

Bisher waren fliegende Roboter, die Waren transportieren oder andere Dienstleistungen erbringen pure Science-Fiction. Mit der Entwicklung der Quadrokopter und Octokopter – helikopterähnlichen Minidrohnen mit vier bis acht Rotoren – rückte die Idee aus der Fantasterei heraus und in zog in Computerlabore ein. Die Deutsche Post hat nun nach einer beinahe einjährigen Entwicklungsphase erste Hoffnungen geweckt: die computergesteuerte Paketdrohne liefert seit September erste Fracht und könnte näher an der Einführung stehen als viele denken.

Wo keine Straßen sind brilliert die Paketdrohne

Es ist für Mitteleuropäer recht schwer vorstellbar, weil das Straßennetz nirgendwo besser ist als hier, aber große Teile der Welt sind für konventionelle Fortbewegungsmittel schlicht gar nicht oder nur einen Teil des Jahres zugänglich. Und doch: auch in Deutschland gibt es einige Bewohner, deren Versorgung mit Medikamenten und anderen wichtigen Gütern erheblich verbessert werden könnte- auf den deutschen Inseln zum Beispiel. Ganz besonders die kleine Nordsee-Insel Juist bot sich also für die DHL an, den Transport via Paketdrohne zu testen. Auf der Insel gibt es weder Straßen noch Autos, eine Brücke zum Festland fehlt ebenso wie zuverlässige Belieferungszeiten per Schiff, denn die Gezeiten erschweren das Anlanden sehr. Hier hat der eilige Transport per Paketdrohne sozusagen von Natur aus Trümpfe in der Hand, die es auszunutzen gilt.

Die unglaublich wendigen, computergesteuerten Flieger sind durch ihre vielen Rotoren äußerst ausfallsicher, bieten Wind wenig Angriffsfläche und gefährden keinen Piloten. Sie brauchen auch keinen Lotsen am Boden vor dem Radar. Einmal programmiert finden sie ihre vorgegebenen Zielpunkte völlig ohne Hilfe und können in der momentan getesteten Ausführung immerhin bis zu 1,2 Kilogramm Nutzlast transportieren – völlig ausreichend für wichtige Medikamente, die jetzt hoffentlich regelmäßig und zuverlässig die Inselbewohner erreichen können. Der Paketkopter selbst wiegt fünf Kilogramm.

Die Post hat mittlerweile eine eigene Projekt-Webseite für ihre Paketkopter eingerichtet. Dort gibt es auch ein Video, dass den Flug nach Juist zeigt.

Selbstverständlich wirft ein solches Pilotprojekt auch Fragen auf. Welche Flughöhe ist optimal? Wie sollen die Drohnen in den Luftraum integriert werden, den die Fluglotsen der DFS und das Militär überwachen? Wird der Transport von und zu Privatleuten einmal möglich sein? Auf all diese Fragen suchen die DHL, das Institut für Flugsystemdynamik der RWTH Aachen und der Konzern Microdrones GmbH in den nächsten Jahren Antworten. Sollte das Projekt aber weiterhin so gut laufen wie bisher, ist die Post sehr optimistsich für die Zukunft, jedenfalls für den Einsatz in dünn besiedelten Gebieten und zur eiligen Versorgung der deutschen Haushalte. Für den Regelbetrieb der DHL werden noch keine Versprechen gemacht.

Was Paketdrohnen für die Welt bedeuten könnten

Wie wichtig solche Pionier-Arbeit ist, sieht man auch auf einem anderen Kontinent, der bekannt für seine vielen Infrastrukturprobleme ist: Afrika. Dort forschen engagierte Ingenieure an der Errichtung eines sogenannten „Matternets“ (von egl. matter: Sache, Gegenstand). Andras Raptopoulos, einer der Verantwortlichen des Projekts beschreibt die Tragweite treffend mit den Worten: „Nach dem Internet folgt das Matternet“. Dieses sei der nächste Schritt zur gleichmäßigen Versorgung aller Menschen mit Informationen und Waren. Die Forschungsdrohnen dort transportieren Blutproben mit dem Verdacht auf HIV in Krankenhäuser und eilige Medizin für Neugeborene zu Entbindungsstationen – eine Aufgabe, die im dünn besiedelten Savannengebiet der zentralafrikanischen Länder über Tausende von Kilometern beinahe aussichtslos schien. Die Visionäre sind sich sicher: Die Menschen in Afrika könnten den gleichen Quantensprung noch einmal erleben, den das Handy ausgelöst hat. Die meisten Gegenden dort haben das Zeitalter des Festnetzes komplett übersprungen und sind von der völligen Abwesenheit technischer Kommunikationsmöglichkeiten zu umfassender Erreichbarkeit gelangt in nur wenigen Jahren.

 

Was für faszinierende Fluggeräte Quadkopter darstellen und zu welchen Stunts sie durch ihre ausgeklügelte Programmierung fähig sind, ist eindrucksvoll in diesem sehr sehenswerten Video-Vortrag aus den USA aufgezeigt (englisch). Die Drohnen in diesem Film interagieren mit ihrem „Meister“ (Programmierer), fangen und werfen Bälle, balancieren Gegenstände aus und verbinden sich mit anderen Drohnen, um noch komplexere Aufgaben zu lösen.